Die Sanierung des Kulturdenkmals
Die erste städtische Bürgerschule Leipzigs war im Jahre 1512 am Nikolaikirchhof eröffnet worden. Mit der Sanierung und Restaurierung der Alten Nikolaischule gegenüber der Nikolaikirche in den Jahren 1991 bis 1994 hat die Kulturstiftung Leipzig ein unübersehbares stadtgestalterisches Signal gesetzt. Mit ihr begann die systematische Aufwertung des Nikolaikirchhofes zu einem urbanen innerstädtischen Platzraum.
Am Ende der DDR-Zeit war das kulturgeschichtlich hochbedeutsame Bauwerk zur Ruine verkommen.
1976 musste die Bauaufsicht das Gebäude sperren, da es schwerste Bauschäden aufwies.
Es hatte seit 1953 der Karl-Marx-Universität als Interimsquartier gedient. Reparaturen waren jedoch weitgehend unterblieben.
Am 10. Oktober 1990 wurde das Baudenkmal durch Beschluss der Stadtverordnetenversammlung an die Kulturstiftung Leipzig übertragen. Sie stellte sich die Aufgabe, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren und es einer kulturellen Nutzung zuzuführen. Das Sanierungsziel bestand darin, die Originalsubstanz weitgehend zu bewahren und erhaltene Details der Ausstattung zu restaurieren. Die Kulturstiftung wollte so ein Zeichen für behutsamen Umgang mit historischer Architektur setzen und einen Modellfall für moderne Denkmalpflege schaffen. Grundlage hierfür war eine systematische Bauforschung am Objekt zu der aufwändige bauarchäologische Befunduntersuchungen und ein weitreichendes Quellenstudium gehörten. Das denkmalpflegerische Konzept wurde von Sabine Hocquél-Schneider erarbeitet, die Planung lag in den Händen der Hannoveraner Architekten Storch und Ehlers in Partnerschaft mit dem Leipziger Büro Rüdiger Sudau.
Als Schule diente der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach überformte und erweiterte Renaissancebau bis zum Jahre 1872. Nachdem das Gymnasium in einen Neubau in der heutigen Goldschmidtstraße umgesiedelt war, beherbergte das Haus über die Zeit Lager und Geschäftsräume, Garnisonsdienststellen, eine Polizeiwache, verschiedene Lehreinrichtungen etc.
Dank der großzügigen Spende der Stadt Frankfurt am Main in Höhe von 8,9 Mio. DM und Denkmalfördermitteln des Freistaates Sachsen konnte eines der wertvollsten Architekturdenkmale Leipzigs mit einem Gesamtaufwand von 13,9 Mio. DM vor dem Verfall gerettet werden.
Im Erdgeschoss (heute Restaurant) konnte das in den Quellen als Großes Auditorium ausgewiesene Klassenzimmer von 1597 wieder hergestellt werden. Von einmaligem Wert sind die Fragmente der lateinischen Inschriften an den Wänden, die bei der Restaurierung wieder entdeckt wurden. Sie sind mit schwarzen Buchstaben von ca. 30 cm Höhe in klassischer Antiqua aufgemalt. Eine von ihnen lautet: INITIUM SAPIENTIAE TIMOR DOMINI: Ecc. Cap. 1 (Aus Sprüche des Salomo. 1. Kapitel. Vers 7: Am Anfang der Erkenntnis steht die Ehrfurcht vor dem Herrn.) Auch die Bogen-Pfeilergliederungen der Wände sowie die Konsolsteine der Fensterbögen aus rotem Rochlitzer Porphyrtuff sind als typische Renaissanceelemente erhalten. Die Kreuzgratgewölbe im hinteren Bereich des Gasthauses stammen aus dem 18. Jahrhundert. Diese Räume wurden während der Warenmessen als Meßgewölbe genutzt. Besonders erwähnenswert ist im Eingangsbereich des Erdgeschosses auch die bemalte Holzbalken-Brettdecke aus dem Jahre 1597. Im 2. Obergeschoss verdient die schlichte spätklassizistische Aula aus dem Jahre 1827 kunstgeschichtliche Aufmerksamkeit. Diese ehemalige Schulaula wird mit ihren etwa einhundert Plätzen für unterschiedliche Veranstaltungen wie Diskussionsforen, Lesungen, Theaterprojekte, Konzerte oder Feierlichkeiten genutzt. Das Foyer auf dieser Etage beherbergt eine kleine Ausstellung zur Hausgeschichte. Als besonders gelungen darf man wohl die Gestaltung der neuen Hofhalle, die die Architekten dem historischen Baukörper anfügten, bezeichnen. Sie schufen damit einen eindrucksvollen Erschließungsraum von großer Klarheit, Weite und Transparenz für das ursprünglich sehr beengte Schulgebäude. In ihrer industriellen Ästhetik steht die Architektur der Halle für eine Gestaltungstendenz der frühen 90 er Jahre des letzten Jahrhunderts. Der glasüberdachte Lichthof schafft mit der Treppengestaltung ein bewusst inszeniertes Raumerlebnis.
Die gesamte Erdgeschosszone ist als Kultur-Café konzipiert. In der zweiten Etage zeigt das Antikenmuseum seine Sammlung.
Die Alte Nikolaischule ist Preisträger des ersten Architekturpreises der Architektenkammer Sachsen in der Kategorie „Umnutzung und Ergänzung historischer Bauten“ im Jahr 1995. Außerdem erhielt die Alte Nikolaischule anlässlich der Vergabe des Deutschen Architekturpreises 1997 eine Anerkennung.




