Alte Nikolaischule, 1716
Richtfest, 1994

Aus der Geschichte der Alten Nikolaischule

1393 Papst Bonifatius IX. erteilt die Bevollmächtigung zur Gründung einer Stadtschule mit dem Ziel Schüler in Grammatik, einfache Wissenschaften und Künste zu erziehen
1498 Ratsbeschluss zur Errichtung der Stadtschule auf dem Nikolaikirchhof
1512 Die neue Burse Schola Nicolaitana wird als erste Ratsschule in Leipzig eröffnet und steht damit in Konkurrenz zur klerikalen Thomasschule
1530 Humanist Johannes Musler (auch Muschler) wird Rektor der Schule (er ist zugleich Rektor der Universität) und führt als berühmter Gelehrter die humanistische Lehre ein. Damit verbessert sich der Ruf der Schule, so dass die Schülerzahl auf 150 steigt. Musler teilte die Schüler in vier, später in fünf aufsteigende Klassenstufen ein. Unter Musler wurden nicht die christlichen, sondern die antiken Philosophen und Schriftsteller gelesen. Umgangs- und Unterrichtssprache war Latein
1630-1633 Adam Olearius (eigentlich Ölschläger, 1603-1671) ist Konrektor der Nikolaischule. Er wird später als einer der ersten deutschen Reiseschriftsteller und Übersetzter persischer Dichtung berühmt
1658-1661 Der in der Leipziger Ritterstraße geborene, spätere Universalgelehrte, Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) ist Schüler an der Alten Nikolaischule
1716 Eine neue Schulordnung wird erlassen. Der Lateinkult weicht dem gründlichen Studium der deutschen Sprache
1763 Nach dem 7-jährigen Krieg verfällt die Schule, wie schon nach dem Dreißigjährigen Krieg, erneut. Die Schülerzahlen sinken
1779 Johann Gottfried Seume (1763-1810), später Schriftsteller und Publizist, ist Schüler der Nikolaischule („Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802)
1827 Die Schule wird unter dem aufkommenden Neuhumanismus modernisiert und erweitert ihre Räumlichkeiten erneut unter Hinzuziehung der oberen Geschosse des westlichen Nachbareckhauses. Die klassizistische Aula entsteht
1828-1830 Richard Wagner (1813-1883) ist Schüler an der Nikolaischule. Er ist ein sehr schlechter Schüler und wechselt 1830 an die Universität “um Musikus zu werden“
1828 Man kann von nun an nach preußischem Vorbild die Reifeprüfung ablegen
1872 Nach dem Umzug des Gymnasiums in den Neubau in der Königstrasse (heute Goldschmidtstraße) lässt die Stadt das Stammgebäude verkommen und erregt damit öffentliche Kritik.
ab 1876 Vermietung der Räume u.a. an die Volksbibliothek, Königliche Baugewerkenschule und die Sanitätswache des Samaritervereins
1879 Bürgermeister Bruno Tröndlin fordert den Abriss der Alten Nikolaischule, der Stadtrat genehmigt dagegen den Neuverputz des alten Stammhauses. Die Nutzung bleibt zeitweilig ungeklärt.
1906 Einzug der Königlichen Garnisonshauptwache und Errichtung der Arkadenhalle im Erdgeschoss
1914-18 Während des 1. Weltkriegs wird das Haus als Massenquartier für Truppentransporte genutzt
1919 Es wird erwogen ein deutsch-österreichisches Messehaus einzurichten
1945 Die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges hatte das Haus ohne größere Schäden überstanden
1953 Die Universität wird neuer Rechtsträger und nutzt die Räume für die Lehre, jedoch wird in das Gebäude nicht investiert
1976 Die Leipziger Bauaufsicht sperrt das Gebäude. Nach dem Abbruch des barocken Treppenhauses und des Wirtschaftsflügels gleicht das Gebäude in den 1980 er Jahren einer Ruine. Die Diskussion um den Erhalt des Kulturdenkmals spitzt sich kurz vor dem Ende der DDR zu.
1990 Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung kann die neugegründete Kulturstiftung Leipzig das ruinöse Gebäude in Erbpacht übernehmen, um es zu einer kulturellen Einrichtung umzufunktionieren
1992-1994 Für 13,9 Mio. DM saniert die Kulturstiftung das Kulturdenkmal streng nach den Maßstäben des Denkmalschutzes. Die Partnerstadt Frankfurt am Main unterstützt das Vorhaben mit 8,9 Mio. DM
1994 Eröffnung des Hauses mit Sitz der Kulturstiftung Leipzig, dem Antikenmuseum der Universität Leipzig, dem Automatik-Museum der HTWK Leipzig (bis 2005), dem Sitz der Architektenkammer Sachsen (bis 2006) und dem Kulturcafé